Die folgende, wiedergegebene Meinung ist eine persönliche Stellungnahme der genannten Person. Sie spiegelt nicht notwendigerweise die Ansichten, Werte oder Positionen des Vereins, seiner Organe oder seiner Mitglieder wider.

Das Neue Jahr ist angelaufen und Vorsätze konnten gleich im „Veganuary“ auf die harte Probe gestellt werden. Veganuary – sich einen Monat lang vegan ernähren. Für Menschen, die sowohl Fleisch als auch Milch und andere tierische Lebensmittel konsumieren, ist das durchaus eine Herausforderung. Kein Schnitzel mehr zu den Kartoffeln, keinen Schuss Milch mehr in den Kaffee und, Gott bewahre, keinen Kuchen mehr, denn da sind Butter und Eier drin.

Was für manche Menschen eine Challenge im Monat Januar ist, ist für mich seit mittlerweile knapp drei Jahren Alltagsrealität.

Sich vegan zu ernähren, heißt auf jegliche, tierische Lebensmittel zu verzichten. Gründe dafür sind unter anderem ethischer und ökologischer Natur. Menschen möchten Tiere nicht essen, da diese ebenso wie wir ein Recht auf ein Leben haben. Und nachweislich schadet massenhafte Tierzucht Umwelt und Klima. „Nutztiere“, was ein abwertender Begriff für Kühe, Hühner, Schweine … aber die lieben Haustiere sind ja etwas ganz anderes. Von wegen! Der Schmerz, den eine Kuh beim Schlachten erfährt, könnte ein Hund gleichermaßen fühlen. Aber bei Hunden wäre sowas ja „unmenschlich“.

Wenn also alle Menschen von heute auf morgen sich anfangen vegan zu ernähren, dann wird die Welt eine bessere!

Oder?

Besonders in den sozialen Medien (Instagram, TikTok und Co.) wird oftmals ein radikaler Veganismus präsentiert: Ganz oder gar nicht. Menschen, die Fleisch, Eier und Milchprodukte konsumieren, morden, quälen und beute Tiere für egoistische Zwecke aus. Von einschlägigen Influencer*innen wir geradezu propagiert, dass Veganismus sich nicht nur auf die Ernährung beschränkt, sondern ein umfassender Lebensstil ist. Kosmetika, Putzmittel, Kleidung … vieles hat tierische Inhaltsstoffe oder wird an Tieren getestet. Daher sollen bewusste Veganer*innen bei sowohl derer Nahrung als auch Gegenständen des täglichen Lebens auf das „V-Label“ achten.

Was passiert aber, wenn ein veganer Lebensstil nicht möglich ist? Geht das überhaupt?

Die Meinungen sind gespalten. Viele sagen „Ja, vegan ist ein Muss!“. Andere wiederum „Nein, perfekt gibt es nicht.“ Ich selbst habe mich aus überwiegend pragmatischen Gründen für eine veganen Ernährung entschieden. Meine Laktoseintoleranz wurde zunehmen empfindlicher und Fleisch mochte ich rein vom Geschmack her noch nie wirklich. Für mich war es kein Verzicht, sondern eine Entscheidung, die ich gerne getroffen habe. Neben meinem physischen Wohlbefinden tat die Entscheidung auch meiner Moral und Ethik gut. Somit tue ich etwas für mich und für die Welt, in der ich lebe.

Und dabei betone ich spezifisch, dass ich mich „nur“ vegan ernähre. Mir ist bewusst, wie qualvoll Tierversuche sein können. Mir ist bewusst, dass die „Nutztiere“ vom Menschen möglichst effizient gezüchtet worden sind und welche Auswirkungen Massentierhaltung auf die Umwelt hat. Mir ist bewusst, dass Pelz- und Lederhandel Töten für reine Modezwecke ist. Dennoch lebe ich nicht 100% vegan.

Ich bin der Überzeugung, dass ein veganer Lebensstil nicht möglich ist.

Veganismus verfolgt neben dem Tierwohl auch eine faire Moral für Menschen in Produktion und einen möglichst umweltschonenden Vertrieb. Mit einem kurzen Blick auf große Weltkonzerne wissen wir, dass die Möglichkeiten des Einkaufens sofort gedrückt werden. Welche Produkte sind denn heutzutage noch fair, nachhaltig und tierleidfrei? Mit dieser Frage im Hinterkopf wird ein veganer Lebensstil zu einer Sisyphosaufgabe.

Sind wir mal realistisch: 100% vegan geht einfach nicht immer. Manche Menschen sind auf bestimmte Medikamente angewiesen, die anhand von Tierversuchen produziert werden. Manche Menschen haben Unverträglichkeiten, die den veganen Speiseplan enorm einschränken würden (Stichwort: Soja). Und manchmal verguckt man sich im Supermarkt auch einfach und übersieht den Erzfeind aller Veganer*innen: Milchpulver. Lebensmittel wegzuwerfen, nur weil sich eventuell doch etwas Honig in die Zutatenliste geschlichen hat, geht eigentlich gegen das Gebot des radikalen Veganismus.

Solange es Dir aber nicht schadet (siehe Unverträglichkeiten oder Allergien), was solls?

Die Zeit, die ich auf dieser Erde verbringe, möchte ich mit bestmöglichen Gewissen bestreiten. Für mich heißt das, dass ich mich bestmöglich vegan ernähre. Dass ich nach allen mir gegebenen Möglichkeiten auf Second Hand Kleidung, Bücher, Möbel, etc. zurückgreife. Dass ich möglichst wenig Einmal-Plastik verwende. Dass ich das Mindesthaltbarkeitsdatum als eine Richtline deute. Dass ich auf das achte, was mir persönlich guttut, ohne mich dabei radikal einzuschränken. Für mich bedeutet vegan sein, auch realistisch zu sein und jede Möglichkeit, die ich habe zu nutzen und nicht zu erzwingen. Manchmal geht es nicht perfekt und das ist ok. Die Welt ist stetig in Bewegung und Veränderungen sind an der Tagesordnung. Niemand weiß, was morgen ist und dann soll ich auch noch mich selbst massiv be- und einschränken. Nein danke!

Ich lebe meinen Veganismus so, wie es für mein Gewissen stimmig ist. Und damit komme ich seit einiger Zeit schon sehr gut zurecht. Heutzutage muss niemand bei einer veganen Ernährung verzichten. Ersatzprodukte gibt es zur Genüge und die schmecken. Eben anders, aber sie schmecken und da ist für jeden Menschen etwas dabei. Es können die kleinen Schritte sein. Heute ein Sojajoghurt und morgen vielleicht ein Schnitzel auf Erbsenproteinbasis. Und dann schadet der Löffel Honig im Tee auch niemanden.

Passt auf euch auf. Lebt so, wie ihr es für und vor euch selbst vertreten könnt!

Arya <3

Kategorien: Meinungs-MontagNews

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