Die folgende, wiedergegebene Meinung ist eine persönliche Stellungnahme der genannten Person. Sie spiegelt nicht notwendigerweise die Ansichten, Werte oder Positionen des Vereins, seiner Organe oder seiner Mitglieder wider.
Der Begriff Trigger ist überall. In sozialen Medien, in Therapieräumen, in Alltagsgesprächen – und zunehmend auch als Vorwurf. Zeit also, einmal sauber hinzuschauen: Woher kommt der Begriff eigentlich, wen betrifft er wirklich, und was passiert, wenn wir ihn inflationär benutzen?
Woher stammt der Begriff „Trigger“?
Ursprünglich kommt Trigger aus der Psychotraumatologie. Gemeint ist ein Reiz (innerlich oder äußerlich), der eine Person unwillkürlich in einen früheren, hochbelastenden Zustand zurückkatapultiert. Klassisch: Ein Geräusch, ein Geruch oder ein Satz, der nicht einfach „unangenehm“ ist, sondern eine massive körperliche und emotionale Reaktion auslöst – inklusive Angst, Dissoziation oder Kontrollverlust. Kurz: Ein Trigger ist kein Gefühl, sondern ein Auslöser
Welche vulnerablen Personengruppen sind betroffen?
Trigger spielen vor allem dort eine Rolle, wo echte Traumatisierungen vorliegen, zum Beispiel bei:
- Menschen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen
- Überlebenden von Gewalt, Missbrauch oder schweren Unfällen
- Personen mit komplexen Entwicklungs- oder Bindungstraumata
- Menschen mit bestimmten Angst- oder dissoziativen Störungen
Für diese Gruppen sind Trigger kein Lifestyle-Thema, sondern Teil eines ernstzunehmenden Krankheitsbildes.
Was lösen Trigger aus?
Ein Trigger kann:
- das Nervensystem in einen Alarmzustand versetzen
- Flashbacks oder intrusive Erinnerungen hervorrufen
- massive Angst, Ohnmacht oder Erstarrung auslösen
- rationales Denken kurzfristig unmöglich machen
Entscheidend: Die Reaktion ist nicht willentlich steuerbar. Genau das unterscheidet einen Trigger von normaler emotionaler Betroffenheit.
Das Problem
Warum der ist inflationäre Gebrauch problematisch?
Wenn heute alles ein Trigger ist – Meinungsverschiedenheiten, Kritik, unbequeme Fakten –, dann passiert Folgendes:
- Abwertung: Menschen mit echten Traumafolgen werden weniger ernst genommen.
- Begriffsverwässerung: Ein klinischer Fachbegriff verkommt zur Alltagsfloskel.
- Machtmissbrauch: „Du triggerst mich“ wird zur moralischen Keule, die jede Auseinandersetzung beendet.
- Opfer-Täter-Verschiebung: Verantwortung für eigene Gefühle wird externalisiert.
Am Ende bleibt ein paradoxes Ergebnis: Je öfter „Trigger“ gesagt wird, desto weniger bedeutet es.
Was kann man stattdessen sagen?
Nicht jede emotionale Reaktion braucht ein Trauma-Etikett. Oft sind präzisere, ehrlichere Sätze hilfreicher, zum Beispiel:
- „Das hat mich stark verunsichert.“
- „Das Thema macht mich emotional, ich brauche kurz Abstand.“
- „Das erinnert mich an etwas Schwieriges aus meiner Vergangenheit.“
- „Ich merke, dass mich das gerade überfordert.“
Das ist nicht weniger legitim – im Gegenteil. Es ist verantwortlicher.

Ein Wort zu den Generationen
Ja, ältere Generationen machen sich gern über „empfindliche“ Jüngere lustig.
Und jüngere Generationen erklären Ältere gern pauschal für „toxisch“.
Beides ist bequem. Beides ist dumm.
Psychische Belastungen sind real – aber sie werden nicht glaubwürdiger, nur weil man sie lauter benennt.
Zum Schluss: Ein Witz
Kommt Gen Z zu einer Snowflake.
Sagt die Snowflake: „Du bist zu empfindlich.“
Sagt Gen Z: „Das triggert mich.“
Beide gehen beleidigt nach Hause – und keiner hat gelernt, mit Unbehagen umzugehen.
Vielleicht ist genau das der eigentliche Trigger.
Don’t judge – just ask
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Eure Pridecess
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