Pridecess stellt vor: Tom – Malemodel mit 57 Jahren – Einer wie Keiner!

Hallo Tom, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview nimmst.

Ja klar, mache ich doch gerne, lass uns anfangen.

Super, nicht lang schnacken, Kopf in Nacken, richtig? Erzähl doch erstmal: Heißt Du Tom oder ist das Dein Künstlername?

Nein, nein, Tom ist einfach die Abkürzung von Thomas, ich heiße Thomas.

Also Thomas, wann hast Du das erste Mal gemerkt, dass Du anders bist?

Ich habe mit 13 gemerkt, dass ich auf Jungs stehe. Andere Typen schauten auf Brüste, ich schaute auf Typen. Ich habe Jungs hinterhergeschaut und gemerkt, dass ich mich deutlich weniger für Mädchen als für Jungs interessiere.

Gab es etwas, das Du getan hast, als Du gemerkt hast, dass Du anders bist?

Ich habe es geheim gehalten; ich wollte nicht, dass es jemand erfährt.

Warum wolltest Du das nicht? Was hat Dich zurückgehalten?

Ich habe es aufgrund der homophoben Einstellung meiner Eltern und Klassenkameraden geheim gehalten. Von vielen Leuten hörte ich, dass Eltern ihre Kinder deswegen aus der Wohnung geschmissen haben oder sie zum Arzt schickten, weil sie homosexuell sind. Es wurde also damals des Öfteren als Krankheit angesehen und ich dachte mir nur, dass ich es lieber geheim halte, damit mir nicht so etwas passiert.

Das tut mir sehr leid. Gab es dennoch einen Menschen in Deiner Jugend, dem Du Dich anvertraut hast?

Da gab es nur meine Cousine, mit der ich offen darüber geredet habe, sonst niemanden. Sie hat mir auf jeden Fall helfen können, besser zu akzeptieren, wer ich bin.

Seit wann lebst Du eigentlich Dein Anderssein?

Ich würde sagen, ich lebe es erst so richtig, seitdem ich mich von meiner Frau getrennt habe.

Oh, Du bist tatsächlich mit einer Frau verheiratet gewesen? Wie kam es dazu?

Ich war Turniertänzer und wir waren damals sehr erfolgreich. Das Tanzen war eine neugewonnene Leidenschaft für mich geworden. Es hat mir auch sehr viel Halt gegeben; ich konnte damit wenigstens teilweise ausleben, wie ich war. Zum Glück hatte ich auch eine sehr nette Tanzpartnerin, aber leider hatte sie geplant, bald wieder zurück in ihre Heimat in Bayern zu ziehen. Damit das nicht passiert, meinte mein Trainer zu mir, dass ich meiner Tanzpartnerin entweder einen Antrag machen soll oder sie würde tatsächlich umziehen. Da bekam ich nicht nur Angst, den Turniertanz hinter mir lassen zu müssen, sondern auch davor, eine wichtige Bezugsperson zu verlieren.

Verstehe ich das richtig? Dein Tanztrainer hat Dich an dem Abend vor eine so schwierige Entscheidung gestellt, entweder Deine Tanzpartnerin und Freundin zu verlieren oder sie zu heiraten?

Ganz genau und das tat ich auch. Das mag vielleicht etwas komisch klingen, aber mir war absolut nicht bewusst, wie ernst diese Ehe noch werden würde. Und so heiratete ich sie, obwohl mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst war, was das wirklich alles bedeuten würde. Absurderweise kam mir nie in den Sinn, dass es mal so ernst zwischen uns wird, dass wir einmal gemeinsame Kinder haben werden.

Das heißt, Du hast also auch Kinder mit ihr?

Ja genau, einen Sohn und eine Tochter. Ich habe ihnen damals auch schweren Herzens gesagt, dass ich keine Liebe mehr zu meiner Frau verspüre.

Bevor wir zu Deinen Kindern kommen, wie verlief denn überhaupt die Ehe mit Deiner Exfrau?

Die Ehe verlief für mich ohne romantische Liebe, so hatte ich auch dort eher Augen für Männer und nebenbei sogar einen Freund. Meine Frau hat von beidem aber nichts mitbekommen. Und ehrlich gesagt habe ich es auch, so gut es ging, vor ihr verheimlicht. Und generell lief es ab einem Punkt einfach nicht mehr gut zwischen uns. Es haben sich bei mir viele Dinge über Jahre angestaut. Der Höhepunkt war, als ich im Krankenhaus war, sie mich als Last ansah und meinte, eine Party sei wichtiger, als mich zu besuchen. Das war der Punkt, an dem ich dachte: Jetzt ist es aus, Feierabend, Ende, Schluss. Bei meinem Krankenhausaufenthalt bekam ich nicht mal einen Besuch und ich entschied mich nach meiner Genesung, mir eine Wohnung zu suchen und sagte meinen Eltern, dass ich mich von meiner Frau trennen werde. Drei Monate später war ich dann auch weggezogen.

Wie haben Deine Kinder denn darauf reagiert?

Wie die reagiert haben? Das kann ich Dir sagen: Sie haben gemeinsam mit meiner Ex ein Fakeprofil von einem hübschen jungen Mann erstellt und mir hinterherspioniert. Ich dachte, ich schreibe mit einem jungen Mann, dabei gab ich die ganze Zeit Infos über mich selbst meiner Ex und meinen Kindern Preis, die keine guten Absichten mir gegenüber hatten. Im Familienkreis ging das Gerücht umher, ich sei pädophil. So kam es, dass sich meine Tochter bis heute komplett von mir abgewandt hat und zu meinem Sohn habe ich erst seit drei Jahren Kontakt.

Ich finde es sehr hart, wenn die eigenen Kinder einen selbst nicht so akzeptieren können, wie man ist. Hattest Du denn Unterstützung und wenn ja, von wem?

Ja, es war echt hart für mich, dass sich meine Kinder mir gegenüber so verhalten haben. Und ja, ich habe einen richtig guten Kumpel, der mich unglaublich stark unterstützt hat und mit dem ich seit acht Jahren befreundet bin. Ich kann es eine echte Freundschaft nennen.

Wow, das freut mich richtig. Echte Freundschaften, die so gut funktionieren, das ist echt etwas richtig Schönes. Gab es denn noch etwas, was dir Halt gegeben hat?

Das Modeln ist etwas, was mir sehr viel Spaß macht. In dieser Kunstform kann man sich vielseitig ausdrücken. Ich strahle auf jedem Bild. Man lernt beim Modeln so einige Leute kennen. Ja, man kann sagen, das Modeln ist eine Tätigkeit, bei der ich mich wohlfühle. Tatsächlich habe ich auch wieder Kontakt zu meinen Eltern.

Echt? Wie kam das denn?

Sie haben eines Tages einfach eingesehen, dass ihre Homophobie nichts bringt. Eindrücklich haben sie das bewiesen bekommen, als ein muslimisches Kind im Bekanntenkreis sich das Leben nahm, nur weil es homosexuell war. Das änderte ihre Sicht und sie leben jetzt nach dem Motto: Tu, was Dich glücklich macht, Thomas, nichts anderes zählt. Zwar kam das etwas spät, aber ich denke mir: Es ist gut, dass es jetzt besser ist. Nur hätten sie mir das früher mal gesagt, dann hätte ich ganz andere Lebensentscheidungen getroffen.

Wow Thomas, danke für den Einblick in Dein aufregendes und interessantes Leben. Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview.

Immer wieder gerne.


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