Pridecess stellt vor: Minnie – Tixlover und eine Inspiration für uns alle

Hallo @tixlover2 – vielen Dank, dass Du mit uns dieses Interview führst! 

Das mache ich gerne!

Erzähl uns gerne ein bisschen was über Dich! 

Also mein Name ist Minnie, ich bin 20 Jahre alt und komme aus Bosnien und Herzegowina. Außerdem habe ich montenegrische Wurzeln und liebe – wie mein Username sagt – TIX!

Das klingt ja schon einmal spannend! Wer ist denn TIX? 

TIX ist mein Lieblingssänger und lebt mit Tourettes. Seine Lebensweise inspiriert mich sehr – ich kann gerne später nochmal etwas zu ihm sagen! 

Gerne! Dann kommen wir mal zu unserer ersten Frage: Wann hast Du das erste Mal gemerkt, dass Du anders bist? 

In der Grundschule! 

Oh, so früh? 

Ja! Mir haben sowohl Jungs als auch Mädchen gefallen, das Letztere vor allem erst in Form von fiktiven Figuren aus dem Fernsehen. Vor allem die Schauspielerinnen aus Violetta haben mir gefallen! Darüber habe ich mit meiner allerbesten Freundin immer gescherzt, bis eine Schulkameradin ihre Meinung abgab. Sie sagte: „Wie kannst du dich in eine Frau verlieben? Das ist total ungewöhnlich…“

Als ich noch sehr jung war, habe ich darüber nicht viel nachgedacht und nichts gesagt, weil alle drei von uns befreundet waren und ich uns nicht trennen wollte. 

Später habe ich mir dann aber viele Gedanken gemacht. Ich fragte mich: „Warum wäre es ungewöhnlich, wenn mir eine Frau gefiel?“. Ich kam zu dem Fazit, dass es überhaupt nicht ungewöhnlich ist. Das war mein erster Schritt in Richtung des Akzeptieren meines Andersseins. Bis heute formt dies mein Leben. 

Das freut uns sehr, dass Du Deiner Freundin widersprochen hast und begonnen hast, Dich zu akzeptieren. Wie cool, dass Du selbst zu diesem Schluss gekommen bist! Was waren dann Deine nächsten Schritte, nachdem Du selber akzeptiert hast, dass Du anders bist?

Ehrlich gesagt: Ich fühlte mich verwirrt, weil Anderssein in meiner Gegend als abnormal betrachtet wurde. Aber nicht wegen tiefem Hass oder Neid, sondern einfach wegen Ignoranz und Vorurteilen. Ich konnte mit niemandem richtig darüber reden – weder mit meinen Freunden noch mit meiner Familie. Dann hat sich alles plötzlich geändert, als ich meine erste Freundin kennengelernt habe. Ich habe viele schöne Erinnerungen von unserer Zeit zusammen. Trotz dem Altersunterschied zwischen uns haben wir alles zusammen gemacht. Wenn ich bei ihr war, musste ich mich vor niemandem verstecken. Wir waren fast zwei Jahre zusammen und während dieser Zeit habe ich mich dazu entschlossen, meinen Eltern davon zu erzählen. Ich erinnere mich immer noch daran, wie mir meine Mutter sagte, ich würde immer ihr Kind sein, egal was passierte. Dieser Moment hat mir gezeigt, dass meiner nahen Familie viel wichtiger ist, mich zufrieden mit meinem Anderssein zu sehen, als das, was die Anderen aus unserer Gegend sagen würden. Meine restlichen Verwandten sind aber eine ganz andere Geschichte, denn vor einer solch traditionellen Familie ein Coming-Out zu haben, hat mir echte Todesangst bereitet. Aber heute interessieren mich ihre Meinungen so sehr wie ein winzig kleiner Tropfen in einem Eimer voll Wasser. Ich werde mit meinem Anderssein leben, egal was sie davon halten! 

Wow, das begeistert uns echt! Seit wann lebst Du dein Anderssein?

Mein Coming-Out hatte ich zum ersten Mal vor 5 Jahren auf der Social-Media Plattform G+, wo es mir superleicht fiel, mein Anderssein vor den Anderen auszuleben. Es war so wunderschön zu sehen, wie mich neue Freunde ohne Vorurteile und Kommentare akzeptiert haben. 

Weiter ging es dann auf Twitter und Instagram, wo sich mein Zugehörigkeitsgefühl noch mehr verstärkte! Ein ganz besonderer Moment für mich war, als ich herausgefunden habe, dass ein Freund und ich gleichzeitig unser Coming-Out hatten. Im Internet macht es mir große Freude, mein Anderssein frei und ohne Angst ausleben zu können. Jetzt, nachdem ich die mit dem Anderssein verbundenen Hindernisse überwunden habe, kann ich frei sagen, dass ich mich in meiner Haut wohlfühle! Dieses Gefühl würde ich für nichts in der Welt tauschen! Mir ist es auch egal, was die Anderen über mich sagen – völlig egal! Denn es ist mein Leben und ich bin die Einzige, die entscheiden darf, wie dieses aussieht!  

Wir sind stolz auf Dich! Du vertrittst eine solch tolle Positivität, woher kriegst Du diese? 

Wie ich bereits erwähnt habe, begleitet mich der Sänger Tix sehr in meinem Leben! Als ich seine Lebensgeschichte zum ersten Mal las, war ich direkt begeistert von seinem Mut! Sein ganzes Leben lang wurde er von Mitschülern und seinem Umfeld beleidigt, weil er das Tourette-Syndrom hat. Oft kommen ihm durch dieses unkontrollierbare und unerwartete Wörter aus seinem Mund. Anstatt sich aber für sie zu schämen, hat er seine größte Schwäche in eine Stärke verwandelt. Er wollte allen zeigen, dass sie ihm mit ihren schmerzhaften Worten nicht schaden können – weshalb er ein Stirnband mit dem Wort „Tix“ trägt. Damit zeigt er, dass er seine Ticks nicht versteckt und sich für diese nicht schämt! Aus seiner Geschichte habe ich mir persönlich zu Herzen genommen, dass ich nichts, was mir im Leben vorkommt als Strafe, sondern als Herausforderung ansehen sollte: Sowohl, wenn es um mein Anderssein, als auch um meine Lebensereignisse geht. Denn, wie Andreas, (Tix‘ echter Name) es immer gesagt hat: Alles im Leben läuft entweder gut oder man es übersteht es einfach. In anderen Worten, alles ist irgendwie überlebbar, egal wie schrecklich es sein mag! 

Danke für diese inspirierenden Worte! Tix ist Dein Held – für uns – und die Leserinnen und Leser wird er das jetzt auch. Viel wichtiger ist aber, dass jemand wie Du, die in einem Land aufwächst, in dem Anderssein das größte Mobbing mit sich herzieht, stark bleibt und sein Anderssein frei auslebt. Für uns bist Du unsere Heldin. Vielen Dank für Deinen Beitrag! 

Sehr – sehr gerne und vielen Dank für diese Gelegenheit! 

Wir danken Dir für dieses Interview, Deine tollen Bilder, Deine Positivität und Deine Stärke!


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