Candy erzählt von ihrem Mobbing

Hey,
Mein Name ist Candy und ich bin 21 Jahre alt.
Heute erzähle ich euch meine Geschichte.
Schon im Kindergarten hab ich Erfahrungen damit sammeln müssen, wie gemein Kinder sein
können. Ich wurde ständig wegen meiner Frisuren geärgert und schon dort häufig
ausgeschlossen. Ich weiß noch heute, wie ich mich unterm Tisch versteckt habe, damit die
Kinder mich nicht finden konnten. Auch in der Grundschule kam es immer wieder zu
Situationen, in denen ich rumgeschubst und beleidigt wurde, wegen meinem Gewicht, meiner
Brille und wegen meinem Namen. Ich bin froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt wenigstens ein
paar Freunde hatte, bei denen ich Trost finden konnte. Die schlimmste Zeit für mich war
allerdings die weiterführende Schule. Durch einen Umzug erschien es meinen Eltern
logischer, mich in einem anderen Ort zur Schule zu schicken. Ich kam auf die Dietrich-
Bonhoeffer Schule in Bargteheide. Ich kannte niemanden dort. Schon am ersten Tag durfte ich
mir gemeine Sprüche zu meinem Aussehen anhören.

Am Anfang war mir das noch recht egal. Ich dachte, das hört schnell auf und dann wird es
bestimmt besser in der Schule. Allerdings wurde es von der 5. Klasse bis zur 7. Klasse so
schlimm, dass ich mich immer mehr von der Klasse entfernte. Doch es war nicht nur meine
Klasse ein Albtraum, sondern auch sämtliche andere Personen in den unterschiedlichsten
Klassen und Jahrgängen. Es gab Tage im Winter, da wurde ich mit Schneebällen beworfen,
mir wurde gesagt, ich solle einfach nach Hause rollen. Das wäre doch viel besser. Manchmal
ging ich tatsächlich zu Fuß nach Hause, weil ich zu große Angst hatte, mit denen Bus zu
fahren. Ich hatte totale Schuldgefühle und war mir sicher, dass ich es absolut verdiente, so
behandelt zu werden. Ich hasste mich jeden Tag mehr und hatte unschöne Gedanken. Das
Schlimmste war allerdings, dass ich mich völlig allein fühlte. Meine Eltern hatten mich lange
in Schutz genommen. Irgendwann fingen sie allerdings an, mir die Schuld an dem Mobbing
zu geben.
Dies verstärkte meinen inneren Hass nur zusätzlich.
Zu diesem Zeitpunkt war ich ca. 11 Jahre alt. In diesem Alter fing bei mir das Selbstverletzen
an. Damit Kämpfe ich auch heute noch.
Ab der 8. Klasse beruhigte sich das Ganze in der Klasse ein wenig. Es kamen neue Schüler
und mit einer freundete ich mich recht schnell an. Es war ein wirklicher Lichtblick und ich
muss sagen, dass ich dieser einen Person mein Ganzes Leben, was ich heute führe, zu
verdanken habe. Ich wurde von dieser Person bis Ende der 10. Klasse unterstützt und ohne sie
weiß ich wirklich nicht, wo ich heute wäre.
Die darauffolgende Zeit in der Berufsschule war tatsächlich die angenehmste Schulzeit, die
ich je hatte. Dennoch war immer wieder zu spüren, was das Mobbing mit mir gemacht hat.
Ich hatte häufig Panikattacken und auch mein Vertrauen in andere war wenig vorhanden. Ich
wusste die ganze Zeit, dass ich eigentlich Hilfe brauche. Aber ich dachte immer noch, ich
wäre es nicht wert. Mir gehts noch nicht schlecht genug. Andere brauchen es mehr.

Ich habe es Ende 2021 endlich geschafft, mich bei einer Praxis zu melden, bei der ich nun
auch schon seit über einem Jahr in Behandlung bin. Und ich kann es jedem ans Herz legen,
diesen Schritt zu gehen.


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