AndersTalk – @little.lee17 erzählt: Mein ,Anders’ und Ich

Moin!

Ich bin Lee und ich erzähle Euch heute über mein Anderssein. Es gibt viele ,Anders‘ die mich prägen, aber ich fokussiere mich heute auf das größte Anders von mir.

Ich erzähle heute von meinem Trans-Sein. Ich habe das leider erst so richtig gemerkt mit dem Einsetzten der Pubertät. Rückblickend hätte ich es eigentlich schon viel früher merken müssen. Es begann nämlich schon im Kindergarten damit, dass es für mich gar keine Geschlechter gab, für mich waren das alles bloß Menschen. (Ich habe mich auch nie in einer der beiden „Gruppen“ einsortiert. Aber wenn man den Klischees nachgehen will, habe ich in den Pausen lieber mit den Jungs Fußball gespielt, anstatt mit den Mädchen Pferd zu spielen oder Seil zu hüpfen). Das zog sich so lange hin, bis eben die besagte Pubertät einsetzte; es veränderten sich Dinge, die ich als zu mir nicht zugehörig empfand. Ich war sehr aufgelöst und wusste nicht, wie ich damit umgehen soll, da ich bis dahin noch nie mit dem Thema Transgender in Berührung gekommen bin und dementsprechend auch nicht wusste, dass es das gibt. Ich informierte mich ein wenig und fand dann eben heraus das ich trans* bin. Das war so mit dem Alter von 11 oder 12. Damit kommen wir auch schon an den Punkt, was ich gemacht habe, als ich dann wusste, dass ich anders bin. Ich vertraute mich erst mal meinen beiden besten Freundinnen an. Ich erzählte denen, wie ich mich fühle und fragte sie auch, ob sie mich mit einem anderen Namen (den ich hier nicht nennen werde) und den männlichen Pronomen ansprechen könnten. Sie haben das sofort umgesetzt und waren die größte Unterstützung, die man sich hätte wünschen können. Ich habe nach ca. einem halben Jahr mich auch bei meinen Eltern geoutet, kurze Zeit später auch in der Schule. Ab dem Zeitpunkt, wo ich festgestellt habe, dass ich eben trans* bin, begann eine lange Reise der Selbstfindung. Ich war am Schwanken zwischen FtM, was so viel heißt wie „Female to Male“ (deutsch: Frau zu Mann) und Nonbinary was soviel heißt wie „Nicht binär“. Das heißt, dass man sich keiner Binärität zuordnet. Binäritäten sind beispielsweise Männlich und Weiblich. Mit der Zeit dachte ich dann, ich sei vielleicht einfach Demiboy. Das heißt, man ist auf dem nichtbinären Spektrum mit „einem Tropfen“ männliches Geschlecht. Mal ganz vereinfacht erklärt. Ich habe mir (zum zweiten Mal) einen neuen Namen ausgesucht. Aber ich merkte, dass es immer noch nicht 100%-tig das ist, was ich fühle. Mittlerweile weiß ich, dass ich Pangender bin. Pan steht für „mehrere“ und heißt dementsprechend das ich mehr als eine Geschlechtsidentität habe. Meine Geschlechtsidentitäten sind Männlich, Nicht-binär, Demiboy und Demigirl (gleiches Prinzip wie bei Demiboy). Ich suchte mir erneut und final einen neuen Namen aus. Auf dem Weg habe ich zu Anfang die Pronomen Er/Ihm benutzt, dann They/Them (Dey/Deren), dann Er/Ihm + They/Them + It/It´s. Mittlerweile sind mir die Pronomen egal und ich nutze sie alle. Also auch die Pronomen Sie/Ihr. Ich habe mich kein zweites Mal offiziell geoutet, meine beste Freundin weiß es und manchmal erzähle ich es Leuten, aber ich sehe es als nicht mehr so wirklich wichtig an. Man kann mich eh nicht missgendern (bewusst oder unbewusst jemanden mit den falschen Pronomen ansprechen) da ich ja alle Pronomen nutze. Kann denen doch Latte sein, wo ich mich einordne 😉. Ich möchte trotz alledem die Mastektomie, das ist die Entfernung der weiblichen Brust und die Testosteron-Behandlung machen. Testosteron, das ist das männliche Geschlechtshormon – bekomme ich schon seit einem halben Jahr. Ich lebe offiziell nun seit 4 ½ Jahren mit meinem Anderssein. Abschließend möchte ich sagen, dass alle, die sich ähnlich fühlen, sich Zeit nehmen können, herauszufinden, wer oder was sie sind. Es braucht auch eine gewisse Zeit, um das herauszufinden. Macht euch selber keinen Druck, ich brauchte selber ca. 3 ½ Jahre, um endgültig herauszufinden, wer ich bin. Bei Fragen könnt ihr euch gerne per Direktnachricht über Instagram bei mir melden. @little.lee17 heiße ich da. Bei Fragen zu den Themen Geschlechtsidentität, Sexualität oder psychischen Erkrankungen könnt ihr mir ein Loch in den Bauch fragen.

Einen wunderschönen Tag wünscht euch Lee! <3


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