Pridecess stellt vor: Lennis – unser bezaubernder Dancing Boy!

Hallo, Lennis! Schön, dass Du Dir heute die Zeit genommen hast. Wir kennen uns ja schon innig, aber vielleicht möchtest Du Dich einmal der großen Menge vorstellen. 😉

Aber natürlich! Hallo, liebe Lesenden da draußen: Mein Name ist Lennis, ich bin 21 Jahre alt, ich liebe Nougatbits, bin auf dem Dorf großgeworden und gestalte, soweit es geht, mein ganzes Leben in violett.

Danke für die kurze Vorstellung! Wann hast Du das erste Mal gemerkt, dass Du anders bist?

Ich habe schon immer gemerkt, dass ich anders bin, weil ich von meinem Umfeld immer zu hören bekam, wie mädchenhaft und seltsam ich sei. In der Grundschule habe ich es nie geschafft, in den Bundesjugendspielen eine andere als die Teilnehmerurkunde zu bekommen. Außerdem habe ich immer gesehen, wie sportlich die anderen Jungen waren. Zu dieser Zeit habe ich sowohl AC/DC als auch Lady Gaga geliebt und mir jeden Tag ihre Lieder angehört, wozu ich dann auch immer in meinem Zimmer abgegangen bin. Das fanden die meisten komisch, es passte in ihren Köpfen einfach nicht zusammen.

Und was hast Du gemacht, als Du gemerkt hast, dass Du anders bist?

Ich habe versucht, normal zu sein – langweilig, oder? Ein typischer Jungensport ist Fußball, wozu ich mich später selbst gezwungen habe. Als ich dann öfter beim Training dabei war, habe ich jedoch gemerkt, dass es nicht meine Welt ist; der Umgang, diese Aggressivität, das harte Training: All das war nichts für mich. Ich war immer schwächer, weicher und sensibler als andere Jungen, weswegen ich gemobbt wurde. Ich trat also den Pfadfindern bei, weil ich gehört habe, wie cool es dort sein soll. Auf die Zeltlager habe ich mich allerdings das erste Mal mit 10 Jahren getraut, wo ich auch direkt in ein Zelt mit Kindern kam, die mich geärgert haben und mir wieder das Gefühl gaben, anders und nicht gut zu sein.

Wenn ich Zuhause bei meiner besten Freundin war, spielten wir mit Schleich-Figuren, also mit Rittern, Pferden und Elfen. Für mich war das ganz normal, aber für die Anderen war es komisch. Die Barbie-Filme haben mir auch immer gefallen und als ein Mädchen in meiner Grundschule einmal eine Barbiepuppe bekam, die sie nicht mochte, fragte sie, wer die haben möchte. Ich meldete mich und nahm sie dankend an. Von den anderen Kindern habe ich dafür nur schiefe Blicke und dämliche Sprüche kassiert, genauso wie von meinen Eltern, weswegen ich diese Puppe spaßeshalber meinem Stiefvater zu Weihnachten schenkte.

In meiner Jugend habe ich immer widergespiegelt bekommen, dass ich anders bin, seien es Ungeschicklichkeiten bei handwerklichen Tätigkeiten, meine Vorlieben, meine Hobbies, mein Musikgeschmack, mein Aussehen, mein Verhalten und mein Auftreten…

Erst als ich 17 war, merkte ich, dass ich mich auch in Jungen verlieben kann. Ich bin auf dieses Thema nur gestoßen, weil ein Hetzvideo von einem bekannten YouTuber veröffentlicht wurde, wodurch in Deutschland die Hashtags #wirgegenhomophobie und #loveislove ins Leben gerufen wurden. Erst dann habe ich mir Outing-Videos angeschaut und mich selbst gefragt, wie es wohl bei mir aussieht. Plötzlich wurde mir alles klar, denn wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, war ich bereits öfter in Jungen verliebt; ich wusste nur nie, dass das geht, also habe ich immer nur gedacht, dass ich mit den Jungen unbedingt befreundet sein wollte. Hätte mir das mal jemand früher gesagt, dass ich genauso Jungen wie Mädchen lieben kann! Oder besser gesagt, dass ich einen Menschen lieben kann, egal welches Geschlecht dieser hat, dann hätte ich es spätestens in der dritten Klasse gewusst, als ich mich in einen Jungen aus der Schule verliebt habe. Ich habe diese Seite von mir also nicht gekannt und mich stattdessen nur in Mädchen verliebt.

Nun ja, leider ist man oft durch die Gesellschaft gezwungen, es selbst herauszufinden. Bedauerlicherweise geht es Vielen so, da Hetero-Sein als einziges normal angesehen wird. Seit wann lebst Du Dein Anders-Sein?

Als ich mich mit 17 mehr mit diesem Thema auseinandersetzte, war ich mir sicher, bisexuell zu sein. Ich wollte es nicht für mich behalten und erzählte es meinen engsten Freund*innen; das alles war mir dann aber sehr unangenehm. Zum Glück nahmen sie es gut auf und nun hatte ich nur noch den Druck, es meinen Eltern zu sagen. Das fiel mir am schwersten, sogar so schwer, dass eine Freundin von mir übernehmen musste und es meiner Mutter sagte, die es später an meinen Stiefvater weitergab. Ich weiß ehrlich nicht, wie ich ihre Reaktion auffassen sollte, denn als ich beschloss, mich öffentlich zu outen, kam von ihr keine Unterstützung, da sie der Meinung war, man könne mich zusammenschlagen, wenn ich es tue. Danke dafür, das hat mein Selbstbewusstsein erheblich gesteigert …

Hier auf dem Dorf gab es dann immer merkwürdige Blicke und ich konnte mich gar nicht richtig wohlfühlen. In der Schule gab es dann auch abfällige Sprüche von Schülern aus dem Jahrgang unter mir. Wie respektlos ist das bitte? Jedenfalls konnte ich das erste Mal einen CSD erleben, wo ich gemerkt habe, dass es dort niemanden interessiert, wen man liebt. Das war ein sehr schönes Gefühl, weil ich keine Selbstzweifel hegen musste, sondern mich einfach mal frei fühlen konnte, so wie ich bin.

Das klingt zwar schon so, als ob Du angefangen hast, Dein Anders-Sein der Welt der Welt zu präsentieren; aber ab wann wurdest Du damit auch akzeptiert?

Nach meinem Abitur zog ich in die Stadt Kiel, was eine sehr große Umstellung für mich war; besonders die Menschen waren ganz anders als auf dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Alle waren so aufgeschlossen, offen und es war völlig normal, nicht heterosexuell zu sein; es gab sogar mehrmals im Monat Gay-Partys. Ab da fiel es mir so richtig leicht, mein Anders-Sein auszuleben. Da Tanzen mein Leben ist, wollte ich keine Party verpassen und habe versucht, überall dabei zu sein. Beim Tanzen habe ich mich schon immer pudelwohl gefühlt und es war mir egal, was Andere dazu sagen. Durch das Tanzen habe ich allerdings auch immer aus der Masse herausgestochen, weil es ja eher untypisch für Jungen war, so frei und so gerne zu tanzen. Anders-Sein kann sich durchaus als Herausforderung entpuppen, besonders, wenn man auf einem Dorf groß wird. Aber es macht mich glücklich und das ist alles, was für mich zählt.

Aber ich kann Euch allen sagen: Seid anders, seid gerne anders und lebt das, was Euch glücklich macht, ohne Euch von Anderen einschränken zu lassen. Es gibt so viele Menschen, die Euch gerade für Euer Anders-Sein bewundern und lieben. Also: Malt Bilder, singt Lieder, macht ungewöhnliche Sportarten, macht das, was Euch beglückt, tanzt Euch richtig aus und seid einfach, wer Ihr sein wollt 😉.

Vielen Dank für Deinen Mutspruch und dieses offene Gespräch, wir sind sicher, es wird vielen Menschen helfen!

Das würde mich sehr freuen! Ich wünsche mir für jedes Dorfkind, das anders ist, dass es einfach uneingeschränkt leben kann. Danke für das Interview, es hat mir große Freude bereitet!


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