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Wann hast Du das erste Mal gemerkt, dass Du anders bist?
Eine nicht ganz leicht zu beantwortende Frage. Das erste Mal in der frühen Kindheit, denke ich.  Zunächst waren es meine Familie und Erzieher, die mir sagten, ich sei anders; ich sei nicht richtig, ich sei zu wild… ich müsste so und so sein. Begriffen habe ich es zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht. Mir wurde bloß zu verstehen gegeben, dass ich böse wäre, wenn ich nicht tat, was sie sagten. Doch ich wollte nicht „böse“ sein.  In meiner kindlichen Naivität wollte ich auf der „guten“ Seite stehen.


Erst sehr viel später habe ich verstanden, was meine Andersartigkeit ausmacht,
dass ich Vieles auf eine andere Weise betrachte als die übrigen Menschen. Ganzheitlicher. Für mich gibt es wenig Schwarz und Weiß. Kein Gut und Böse. Ich umgebe mich gerne mit dem „Unperfekten“. Oder besser gesagt, mit den von der Gesellschaft ausgegrenzten Randgruppen. Ich versuche, Andere zu verstehen. Manchmal mehr, als ich mich und mein Handeln selbst verstehen kann. Mit Worten bin ich im Normalfall vorsichtig und sparsam, da ich um ihre Macht weiß. Üblicherweise äußere ich mich nur, wenn ich das Gefühl habe, dass es Sinn macht, bzw. man mir auch wirklich zuhört.
Noch heute merke ich in bestimmten Bereichen immer wieder aufs Neue, dass ich anders denke und lerne, anders – und vielleicht auch – intensiver fühle als andere Menschen.

 
Dann hast Du Dich ja mit Deinem „Anderssein“ schon sehr auseinandergesetzt! ^^ Was hast Du denn gemacht, als Du gemerkt hast, dass Du anders bist?
Schnell habe ich gemerkt, dass ich mich selbst nicht in den Bausatz der Gesellschaft zwingen konnte. Gerne wäre ich „normal“ gewesen, aber all das, was normale Mädchen/Frauen in meinem Alter gerne machten, empfand ich als überflüssig oder Zeitverschwendung. Jedoch habe ich es auch nie kritisiert, da jeder das machen sollte, was ihn glücklich macht. Tagträumereien machten mich glücklich. Mich mit Tieren zu beschäftigen, machte mich glücklich. Mich machte es glücklich, Anderen zu helfen – und das ist noch heute so.

Daher fällt es mir trotz meiner stark introvertierten und schüchternen Seite recht leicht, neue Freunde zu finden – ganz gleich welcher Herkunft, welchen Glaubens oder sexuellen Orientierung. Tolerant war ich schon immer – überdurchschnittlich. Ich wusste genau was es bedeutet, ausgegrenzt, ignoriert oder gemobbt zu werden. Daher habe ich mich auch gerne schon zu Schulzeiten den „Außenseitern“ angeschlossen und fand oftmals die besten Freunde in ihnen. Jedoch wurde ich dadurch auch immer mehr selbst zum „Außenseiter“.  Womit ich jedoch ganz gut klar kam, denn genau betrachtet, war ich nie ganz allein. Bei Andersartigen fühlte ich mich doch wohl und akzeptiert – und auch ein Stückweit verstanden, mehr, als in der Familie.

Oftmals sind Andersdenkende die Leute, die Dich am besten verstehen… Wir nennen es oft „Wahlfamilie“. Wie äußert sich Dein Anderssein in Deiner Wahlfamilie und Deinem Umfeld?
Wie bereits erwähnt, bin ich ein stiller Zeitgenosse, höre gerne zu und beobachte Menschen. Ich denke, meine größte Superkraft und gleichzeitig mein Kryptonit ist meine emphatische Seele, die stets gefüttert werden will. Ich kann Menschen gut lesen und merke genau, wenn etwas nicht stimmt. Dadurch bin ich in der Lage, mich gut auf sie und ihre Bedürfnisse einzustellen. Ich sauge regelrecht die Emotionen derjenigen auf und fühle denselben Schmerz, dieselbe Freude, dieselbe Wut und Trauer – egal, um welches Gefühl es sich auch handeln mag. Doch diese Gefühle bedeuten mit einem gewissen Abstand auch Inspiration für mich. Das kann in jedem erdenklich künstlerischem Bereich geschehen: ob in der Fotografie, Malerei, Musik oder kreativem Schreiben.  Auch beruflich konnten Viele schon von meiner Kreativität und Empathie profitieren. Doch meinen eigenen, künstlerischen Weg, habe ich noch nicht gefunden.  Von meiner Kunst allein kann ich noch nicht leben, daher sah ich mich oft gezwungen, Dinge zu tun, die ich eigentlich nicht wollte, dennoch aber ganz gut konnte. Beruflich habe ich schon einige Stationen durch, doch keine, die mich wirklich erfüllte.

Erst jetzt wage ich – und ich sag es besser nicht zu laut – vielleicht ein paar erneute zaghafte Schritte in Richtung freischaffender Künstler.

Das klingt sehr spannend! Wir sind sicher, dass Du als Künstlerin Deinen Durchbruch haben wirst! Kommen wir zur letzten Frage des heutigen Tages: Seit wann lebst du Dein Anderssein?
Eigentlich schon recht lange – in mancher Hinsicht.
Es war ein offenes Geheimnis, dass ich anders ticke, ich konnte es nicht verbergen, also versuchte ich, es zu leben.
Genau datieren kann ich es nicht; ich denke, es war und ist ein schleichender Prozess. Während ich mich als Kind noch in Formen bzw. Kleidung, die ich nicht wollte, zwängen ließ, so ziehe ich mich heute sehr schnell zurück, sobald man mich in meiner Persönlichkeit beschneidet. Auf jedweder Ebene.

Wow, vielen Dank für diesen Einblick in Dein Leben! Du hast, wie wir finden, damit noch einmal deutlich gezeigt: Anderssein heißt, sich frei zu entfalten und authentisch zu sein.

Aber gerne doch!


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