Pridecess stellt vor: Ck – vom Metal-Rebellen zum Einhorn-Spießer!

Hallo, Ck! Schön, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nehmen kannst. Lass uns mit der ersten Frage beginnen: Wann hast Du das erste Mal gemerkt, dass Du anders bist?

Das war, als ich in der Schulzeit angefangen habe, mich sowohl für Heavy Metal zu interessieren, als auch gleichzeitig in die Kirche zu gehen und Pen and Paper zu spielen. Zwar hatte ich Freundesgruppen innerhalb der einzelnen Hobby-Felder, jedoch keine mit den gleichen Interessen als Ganzes. Ich ließ mir meine Haare immer länger wachsen – meine Klamotten immer schwarzer werden. Ich war demnach sehr auffällig in der Nachbarschaft unterwegs, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt. Was soll ich sagen; das gleiche gilt natürlich auch für zu Hause. Meine Mutter war damals überhaupt nicht begeistert. 1994 bin ich bei einer Amerikafahrt – ich war damals 15 Jahre alt – durch Zufall in ein Morbid Angel-Konzert geraten und war ziemlich begeistert. Meine Mutter beschäftigte sich dann etwas mit der Band und dachte, wir Metalheads seien Satanisten.

Wenn man jedoch mal überlegt, was die Lieblingsbands meiner Eltern so trieben… Meine Eltern sind sehr große Rolling Stones Fans und mein Vater war auch beim legendären Konzert in der Berliner Waldbühne mit dabei, als die Fans alles auseinander nahmen. Ich wollte nun nicht meine Eltern überzeugen, wie toll Metalheads seien, weil es bei den Konzerten immer recht friedlich abliefen. Ich überlegte ich mir etwas anderes: Ich nahm einen Liedtext ihrer Lieblingsband – ich komme gerade nicht drauf, wie dieser Song heißt – fertigte eine Übersetzung an und zeigte sie meinen Eltern. Wenn ich es recht erinnere, ging es um einen Keller, eine Nadel und einen Löffel – worauf das wohl hinausläuft, könnt ihr euch sicherlich denken. Selbstsicher – vielleicht ein bisschen zu selbstsicher – fragte ich sie also, ob ich lieber Drogenmusik hören sollte. Damit war dann diese Diskussion beendet und meine Eltern merkten bald, dass Metalheads harmlos und ich sowohl Heavy Metal mögen, als auch gleichzeitig überzeugter Christ sein kann.

Das klingt echt super witzig – schön, dass du sie auf so lustige Weise von Deinem Standpunkt überzeugen konntest! Wie sieht es denn sonst so aus – würdest Du Dich noch auf anderen Ebenen als anders bezeichnen?

Ich glaube, dass ich an vielen Stellen anders bin als das, was als normal empfunden wird. Zum Beispiel ist meine Beziehung wohl zu einem großen Teil anders als bei anderen Ehepaaren. Diese ganze Geschichte hat wohl so viel in sich, dass man sie nicht wirklich kurz halten kann…

Wenn Du sie uns erzählen möchtest – wir sind gespannt! Hast Du ein Beispiel für uns?

Aber klar! Hier ein Bespiel, bei dem auch „im Außen“ wahrgenommen wurde, dass es bei uns etwas anders ist: Anfang 2000, als ich mit meiner heutigen Frau auf dem Weg nach Hause war, trafen wir in der U-Bahn einen Kumpel von mir und erzählten ihm, dass wir zusammen „Quake“ – ein Shooter – zocken wollen. Du konntest es nicht nur in den Augen, sondern auch in seinem Gesicht erkennen, dass er sehr erstaunt darüber war. Es war, als würde er laut rufen „Was, die wollen ZUSAMMEN quaken???“ ohne überhaupt ein Wort rauszubringen. Allgemein waren meine Freunde von oben bis unten begeistert, als sie das hörten. Wer uns kennenlernt, weiß, wir sind und waren nie normal. Wir sind anders und das ist das Schönste, was uns passieren konnte. Mittlerweile sind wir seit 21 Jahren zusammen, haben sehr viele Gegensätze, die sich doch des Öfteren zeigen. Das meine ich jedoch durchaus positiv.

Es bereitet wirklich große Freude, das zu hören. Wie sieht es denn jetzt bei Dir aus? Hat sich im Laufe der Jahre etwas an Dir verändert?

Etwas, was wohl viele nicht für möglich gehalten hätten: Ich lebe das Leben das eines Spießers, wohne mittlerweile in einem Haus auf dem Dorf, bin verheiratet, habe 2 Kinder, drei Hunde und arbeite im Öffentlichen Dienst. Einzig, wäre meine Stirn nicht so groß, wären wohl noch lange Haare da. Denn meine Liebe zum Metal ist wie eh und je. Ich lebe sogar in der Heavy Metal Town höchstpersönlich: Wacken!

Das ist ja ein ganz schöner Wandel. Hat es Dich denn gestört anders zu sein?

Im Gegenteil: ich habe es sehr genossen, anders zu sein. In der Jugendzeit hat es mich nicht die Bohne interessiert, was mir mein Umfeld sagte. Heute sieht man es nicht mehr an, aber früher hatte ich Haare bis zum Hintern und sie mir des Öfteren gefärbt – Schwarz, grün, blond,blauschwarz… – ich trug einen schwarzen Ledermantel, schwarze Klamotten und einen Armeerucksack. Ich habe mich der Welt gerne präsentiert, wer ich war. Als mir damals mein Englisch-LK-Lehrer sagte, ich werde später Bänker und kein Gangster, habe ich mich innerlich wahrscheinlich halb totgelacht. Natürlich wollte ich kein Gangster sein, aber genauso sicher war ich mir auch, dass aus mir wohl niemals ein Spießer werden würde. Was soll ich sagen – dass ich damit falsch lag, wisst ihr ja bereits. *lacht*

Aber mein Anderssein habe ich nie aufgegeben – auch in der Beziehung sind wir anders als Viele, würde ich sagen. Meine Frau ist 13 ½ Jahre älter als ich – das wurde von Vielen aus der Umgebung, leider aber auch innerhalb der Familie zu einem Großteil überhaupt nicht akzeptiert. Nicht selten kamen komische Blicke. Es gibt ja aber selbstverständlich auch immer Ausnahmen, sodass es auch einige gab, die hinter uns standen. Anfang 20 bin ich dann auch Vater geworden, was mir natürlich auch anders erschien. Schließlich wurden meine Klassenkameraden erst knapp 10 Jahre später Eltern – in meinem Umfeld war ich der erste der Papa geworden ist. Und während die anderen erst  ihre Karriere in Angriff nahmen, wurde ich erst einmal der erziehende Part, während meine Frau arbeitete. Dieses Lebensmodell zog natürlich auch Augen auf sich, da es leider immer noch Menschen mit veralteten Rollenbildern gibt. Unabhängig davon machte ich während dieser Zeit ein Fernstudium, ein Studium mit Präsenz hätte ich nicht hinbekommen.

Wow, da gibt es doch sehr viele Stichpunkte – da hoffen wir, ist es nicht unangemessen, wenn wir noch einmal auf eine bestimmte Frage zurückkommen würden.

Alles gut, nur immer raus mit der Sprache! *lacht*

Wie ist es denn, einen Altersunterschied in der Beziehung zu haben?

Wir sind starke Persönlichkeiten, wo das Alter sowohl kein Problem ist als auch nie die Rolle spielte. In jeder Beziehung gibt es meines Erachtens nach unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen. Als wir zusammenkamen, war sie ja in ihrem Job bereits etabliert, wo ich noch nicht wirklich was von harter und langer Arbeit verstand. Aber da spielte ja nicht zwangsläufig das Alter mit rein, unterschiedliche Wahrnehmungen und Erfahrungen kann man schließlich ja auch ohne Altersunterschied haben.

Das alles klingt echt nach erstaunlich viel „Anders“, was da in Eurer Beziehung zusammengekommen ist – es ist total schön! Vor allem, dass Euch egal war, was Euer Umfeld dachte und dass Ihr zusammengehalten habt, ist echt bewundernswert! Wie habt Ihr Euch denn kennengelernt?

Kennengelernt habe ich sie in der Jugendarbeit, die sie geleitet hat. 1992 wurde ich Ehrenamtlicher in der Kirchlaufbahn und später kam ich fast in die höchste Leitungsebene, dem Ältestenrat der Landessynode.

Als ich volljährig wurde, war ich eine Zeitlang (ungefähr ein Jahr) weg und der Kontakt zu zwischen uns war abgebrochen. Als der Kontakt dann wieder auflebte, hat es dann irgendwann zwischen uns gefunkt.

Musstest Du damals den Wehrdienst antreten?

Ich unterlag der der Wehpflicht und verweigerte den Dienst an der Waffe. Anstelle des Zivildienstes ging ich in den Katastophenschutz und Sanitätsdienst – eine Verpflichtung auf 7 Jahre! Da es in Berlin im rettungsdienstlichen Sinne quasi keine Katastrophen gibt, habe ich Erste-Hilfe-Kurse gehalten und Sanitätsdienst bei Konzerten gemacht. Ich kann es nur jeder Jugendlichen und jedem Jugendlichen empfehlen, so einen Dienst zu absolvieren. Ich war auf der Love Parade, auf Konzerten von Madonna, den Backstreet Boys und Rammstein und beim Kino in der Waldbühne. Nach der Geburt von meinem Sohn wurde ich jedoch von meiner Pflicht entbunden und begann dann das vorhin erwähnte Fernstudium.

Was hast Du denn Schönes studiert?

Vor der Geburt mienes Sohnes studierte ich Informatik und Philosophie auf Magister, mit seiner Geburt wechselte ich an die FernUni und zum Studiengang Informatik mit integriertem Nebenfach. Von zuhause aus zu studieren mit meinen Kindern an meiner Seite war super. Jung Vater werden ist nicht normal, aber es ist das Schönste, was mir hätte passieren können; so hatte ich auf eine andere Art und Weise Unterstützung um mich herum.

Und wo arbeitest Du jetzt?

Seit 2008 arbeite ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber in einer Krankenkasse, damals als Studentenjob, heute natürlich als Festeinstellung. Ich bin dort für die Digitalisierung zuständig.

Zum Abschluss hätten wir noch eine Frage: Hättest Du in Deinem Leben irgendetwas anders gemacht, wenn Du heute die Chance dazu hättest?

Schwierige Frage, einerseits hätte mein jetziges Ich wohl versucht, Einiges anders zu machen – auf der anderen Seite, glaube ich, hätte ich fast immer die gleichen Entscheidungen getroffen. Klar, war ich damals noch sehr jung, aber ich wusste, dass das die Beziehung meines Lebens ist und dass ich superglücklich darüber bin, mit meinen Kindern vom Alter her nicht so weit auseinander zu sein. Ich möchte im Nachhinein keine Entscheidung getroffen haben, die dazu geführt hätte, dass ich nicht meine Frau gefunden hätte. Die Liebe meines Lebens und meine Kinder – mein ganzes Leben hat dorthin geführt und diese drei Menschen möchte ich auf gar keinen Fall missen. Insofern: alles richtig gemacht!

Das hast Du sehr schön gesagt – danke für das Interview!

Immer wieder gerne!


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