Ich bin anders. Ich bin ich. – Interview zwischen Doodle und Demi übers „Anders-Sein“

Interview zwischen Doodle und Demi über das Thema „Anders-Sein“

Doodle: Wann hast Du das erste Mal gemerkt, dass Du anders bist?

Demi: Ich weiß es schon lange, ich war und bin in vielen Bereichen “anders”.

Seit ich ca. 6 bin weiß ich, dass ein Teil von mir männlich ist. Der ist mal mehr, mal weniger deutlich ausgeprägt.

Ich sah bis zur 3. Klasse (Kommunion) aus wie ein Junge: Dadurch, dass ich kurze Haare hatte und am liebsten die Anziehsachen von meinem Cousin trug, aus denen er rausgewachsen war. Zur Kommunion musste ich Kleid und Haarkranz haben, brauchte lange Haare – die danach sofort wieder abgeschnitten wurden. 😂

In der Schule war ich die Klassenbeste und auch daher immer schon anders als die Anderen.

Als die anderen Mädchen dann nur noch nach Jungs geschaut haben, war mir das komisch, aber ich dachte halt, dass das wieder nur was ist, wo ich anders bin. 🤷

In der 10. Klasse hatte ich einen Freund – aus meiner eigenen Klasse – den ich schon seit knapp 4 Jahren kannte und durch den Freundeskreis engeren Kontakt hatte. Interesse an Jemanden von “außerhalb”? Unmöglich!

Doodle: Was hast Du gemacht, als Du gemerkt hast, Du bist anders?

Demi: Was ich gemacht habe, als ich gemerkt habe, dass ich anders bin? 😂

Schulterzuckend weiter gemacht, abgehakt unter “noch so ein Bereich”.

Es hat mich nicht in tiefe Verwirrung gestürzt oder so, es war nicht dramatisch. Ich stand halt nur oft kopfschüttelnd daneben.

Im Studium habe ich durch einen Kommilitonen meinen damaligen Freund und jetzigen Mann kennengelernt. Der hatte schnell raus, dass ich irgendwie anders bin. Wir haben Witzchen darüber gerissen, dass ich nicht für irgendwelche Stars schwärme oder es mal wieder nicht mitbekommen habe, wenn mich auf einer Party jemand angeflirtet hat.

Sein Kollege sagte mir strack auf den Kopf zu: “Du bist schon irgendwie komisch, oder?”

Da habe ich nur grinsend mit den Schultern gezuckt, denn: Danke, das ist nun wirklich nicht neu!

Seit letzten Herbst (6 Wochen zuvor wurde ich 50!), der Ace Awareness Week, weiß ich, dass die Label demisexuell, demiromantisch und demigenderfluid zu mir passen.

Ich habe jetzt eine Erklärung für mein Anders-Sein und das fühlt sich fantastisch an.

Aufgrund meines Berufs im Gesundheitswesen habe ich meinen Account hier nicht mit meinem Namen.

Da ich so wenig auf Deutsch zu diesem Thema fand, wollte ich zur Verbreitung beitragen. Und auch jungen Leuten zeigen, dass es “uns Alte” gibt, dass wir groß geworden und sie nicht alleine sind.

Es wissen von mir außer meinem Mann und unserem Sohn (21) noch eine Hand voll Freunde, dass ich asexuell bin.

Typischer Satz über mich, gesprochen von einer Schülerin in der Altenpflegeschule:

“Kennst du Frau…? Wie ist die denn so?”

Antwort meiner Schülerin: “Die? Die ist echt anders!”😂

Doodle: Vielen Dank für dieses offene und ehrliche Gespräch!


Leave a Reply

Your email address will not be published.