AndersTalk – Petra erzählt: Mein Leben mit Lipödem

Hallo! 
Ich bin Petra, 50, aus Berlin und habe das Lip- & Lymphödem Stadium III. 

Seit meiner Jugend bin ich übergewichtig und konnte damit immer halbwegs gut leben. Hat mich jemand dumm angemacht, kam von mir locker flockig: ,,Ich bin dick, du bist dumm… Ich kann abnehmen, aber du kannst dir kein Hirn kaufen!”. Damit bin ich immer gut gefahren…

Das änderte sich schlagartig, als ich 2017 die Diagnose ‘Lipödem Stadium II’ bekam (Ein Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, welche sich besonders in der Ober- und Unterschenkelregion bemerkbar macht, vererbbar ist und fast ausschließlich Frauen betrifft). Seitdem ist nichts mehr, wie es einmal war. Mein Selbstbewusstsein ist weniger geworden, aber ich habe mich nie wirklich versteckt und versucht, mein Leben so zu leben wie bisher auch.

Oft stieß ich zwar an meine Grenzen, aber ich gab nie auf. Im Jahre 2019 musste ich wegen meiner kaputten Beine ins Krankenhaus, aber auch davon ließ ich mich nicht unterkriegen. Im Sommer 2019 lernte ich nach langer Zeit einen Mann kennen, doch wirklich in mein Leben wollte ich ihn aufgrund meines Lipödems nicht lassen. 

Was soll ich sagen? Im Februar 2020 fing er an, mit mir zu flirten und im Mai 2020 sind wir dann zusammengekommen. Wir wurden auf eine echt harte Probe gestellt, denn durch Corona konnte er nicht mehr arbeiten. Dann kam im Juni die Verdachtsdiagnose ,Gebärmutterkrebs’ und Ende August war meine Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter). Mein Freund hat mich jeden Tag im Krankenhaus besucht und zusammen waren wir ein tolles Team. Leider hat die Hysterektomie einen schweren Schub bei meinem Lipödem ausgelöst und plötzlich war ich auf einen Rollator angewiesen. Seitdem möchte ich nur noch unsichtbar sein. Wenn ich rausgehe und im Hausflurspiegel meine Figur sehe, schäme ich mich zutiefst. Meine Lieblingsklamotten traue ich mich nur noch selten anzuziehen, weil ich nicht auffallen möchte. 


Ja, ich habe Freunde, die hinter mir stehen und mich so akzeptieren, wie ich bin. Leider habe ich aber auch eine Mutter, die meine Krankheit verleugnet und sagt, ich sei einfach nur fett, weil ich mich falsch ernährte und faul sei. Ja, ich ernähre mich nicht zu 100% gesund, versuche aber eine Balance zwischen Junkfood und gesundem Essen zu finden, mit der ich leben kann. Was aber viel schlimmer für mich ist: Ich habe diese blöde Fettverteilungsstörung namens ‘Lipödem’ meiner Tochter Carolyn vererbt! 


Ich kämpfe aber dafür, dass es mir besser geht, ich mein Selbstbewusstsein wiederfinde und irgendwann meinen Rollator nicht mehr brauche. Damit es mir besser geht, muss ich nicht nur mein Gewicht reduzieren und Sport machen, es gäbe da noch die ‘Liposuktion’. Für die muss ich aber erst meinen BMI senken, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt. 


Leider sehen Krankenkassen die ‘Liposuktion’ als Schönheitsoperation und weigern sich, die Kosten zu übernehmen. Dass es aber für an Lipödem Erkrankte nicht um das Aussehen geht, sondern um Schmerzlinderung und mehr Lebensqualität, das sehen sie nicht. Der Weg bzw. Kampf bis zur ‘Liposuktion’ ist ein sehr harter und leider für sehr viele ein unerreichbarer!

Wir, das Anders? = Anders! – Team hoffen, dass Du, liebe Petra, schnellstmöglich die Unterstützung bekommst, die Du brauchst und wir sind sicher: Für Dich ist nichts unerreichbar!


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